Mein Weg in die Selbstständigkeit

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Hey,
heute wird es richtig deep. Es geht um die Hürden, Demotivation, Depression, Enttäuschungen und Motivation vor und in der Selbstständigkeit und wie ich schlussendlich meine eigene Medizin gefunden habe.

Ich will ehrlich zu Dir sein:
Ich weiß gar nicht genau wo ich anfangen soll! Für die, die mich noch nicht kennen: Ich bin jetzt 25 Jahre alt und habe mit ca. 15 Jahren die Photoshop-Welt für mich entdeckt. Über die Jahre ergab sich ein Auftrag nach dem anderen. Ob es nun für Freunde, Verwandte oder Bekannte war. Doch mein Weg in die Selbstständigkeit verlief alles andere als reibungslos.

Natürlich war ich – und bin es auch heute noch – total wissbegierig und schaue mir Sachen an und frage mich: „Boah geil, wie hat der Designer denn das so gemacht? Ich will das auch können!“

Durch die angesammelten 10 Jahre habe ich auch sehr viel Erfahrungen in den Bereichen Webdesign, Grafikdesign und so weiter gesammelt. Ob es nun darum ging, wie Du Dich am besten vor Deinem Art-Director rechtfertigst oder Du als Projektleiterin mit einem riesigen Team an einem Kundenprojekt arbeitest bis hin zu den verschiedensten Projekten für kleine Unternehmen und vielem mehr aus der Kreativ-Branche.

Nun sitze ich hier in meinem kleinen, feinen Büro und bin erst jetzt bereit, darüber zu schreiben.

Aber warum erst jetzt? Ich bin eine typische Berlinerin, die auch sehr gerne keen Blatt vor den Mund nimmt. Ehrlich und sehr direkt, dennoch so bedacht, dass die gewählten Worte für die jeweilige Situation angemessen sind.

 

Entscheidung: Eiskalte Selbstständigkeit

Damals in meiner Erstausbildung zur Fotomedienfachfrau kam mir immer wieder ein Gedanke: „Hach, wäre das toll, wenn ich ein eigenes Business hätte.“

selbststaendigkeit - kamera

Eigentlich war die Selbstständigkeit immer nur so ein flüchtiger Gedanke. Doch wenn die Arbeit wieder etwas stressiger war und ich von meinem Chef wieder Schimpftiraden über mich ergehen lassen musste, bei denen ich nur noch mit dem Kopf schütteln konnte, dann kam dieser Gedanke öfter mal zum Vorscheinen.

Bestimmt hattest Du ooch schon solche Situationen, in der es soweit ging, dass Du Dich selbst gefragt hast: „Ist das Dein Ernst?“

Ja, diese Situationen kamen immer und immer wieder. Ich weiß noch als ich im Sommer 2013 unter meinem damaligem Namen WebWeber-Webdesign drei kleine Aufträge für die eSports Branche fertigstellte. Was ich dafür bekommen habe, war für mich nur ein kleines Taschengeld, das ich nebenbei verdiente.

Aber an diesem einen heißen Sommertag habe ich mich gefragt, ob das so richtig ist.

Ich arbeitete als Azubine 40 Stunden in der Woche, schob Überstunden ohne Ende und bekam für diese drei kleineren Aufträge mehr als das Doppelte von meinem Monatsgehalt. Nein – fast das dreifache an Gehalt und das auch noch dafür, dass ich nur wenige Tage an diesen Projekten saß? Da stimmt doch was nicht.

Das war der erste ernste Moment, in dem ich mir dachte: „Kimi, du hast das Potential! Mach’ was draus!“

selbststaendigkeit - notizblock

Aber wie ich nun so war, stand ich kurz vor der Abschlussprüfung. Ich wohnte noch bei Mutti und das alles zu riskieren, wenn ich demnächst eine eigene Wohnung suche und so weiter, war mir dann doch zu riskant. Zumal ich damals ohnehin noch keene Ahnung von dem anderen Zeug hatte, der für die Selbstständigkeit wichtig ist.

Nach dem Abschluss der Ausbildung kündigte mich mein damaliger Chef mit der Aussage: „Kimi, wir haben kein richtiges Arbeitnehmer/ Arbeitgeber Verhältnis.“ Ah ja, da sind Sachen abgelaufen… Halleluja, aber dazu in einem anderen Beitrag mehr.

Nun gut, nach Abschluss der Ausbildung war ich halt arbeitssuchend.

Yeyyy, was für ein Spaß.

Zum Arbeitsamt watscheln und sich behandeln lassen wie ‘ne Nummer, die nicht ernst genommen wird. Zu mir sagten sie, dass ich in NRW oder Stuttgart vermittelbar wäre, aber in Berlin keene Chance hätte, obwohl ich vorher sagte, dass ich mich für Jobs als Mediengestalter interessiere. Sowas können diese Sachbearbeiter sehr gut. Zumindest aus meiner Erfahrung. Einfach gekonnt ignorieren! Manchmal schwor ich mir, während mir die Sachbearbeiterin tonnenweise Formulare ausdruckte, dass ich das nächste Mal einfach mit der Wand sprechen werde. *lach*

Nach der ganzen Aktion beim Arbeitsamt war ich dann endlich soweit, mich woanders bei den verschiedensten Firmen als Fotomedienfachfrau zu bewerben. Warum? Weil ich den Gedanken beiseite gelegt hatte, etwas Professionelles in der Designbranche aufzuziehen.

Nach mehreren Absagen in Berlin hat es mir gereicht und ich bin samt meinem ganzen Ersparnissen von 400 Euro nach Hamburg gedüst. Nebenbei teilte ich Mutti ‘ne Woche vorher mit, dass ich meine Sachen packen und nach Hamburg ziehen werde und dort sehe, was ich dort schaffen kann.

Hamburg fasziniert mich bis heute noch total. Ich liebe diese Stadt! Sie ist sehr schön und ich habe sie schon immer mit Freiheit verbunden. Ich wollte aus Berlin raus, weil mich nur noch negative Gedanken plagten. Von kaputten Freundschaften, Beziehungen und Absagen aus der Arbeitswelt.

 

Neuanfang in Hamburg

Tja, da stand ich nun mit meinen sieben Sachen und 400 Euro in Hamburg.

Klar hatte ich da auch 1 – 2 Freunde, bei denen ich erstmal wohnen konnte, aber sonst nichts. Mir wurde sogar mein ALG I gesperrt, weil ich einfach unerlaubt abgehauen bin. *lach* Das waren noch Zeiten.

Wie der Zufall es so wollte, habe ich, wie auch immer, die „Technische Fachschule Heinze“ gefunden. Mitunter das Beste, was mir passieren konnte. Dort habe ich meine zweijährige Ausbildung zur Screendesignerin absolviert und viele interessante Persönlichkeiten kennengelernt, mit denen ich heute noch Kontakt habe.

Nach der Ausbildung bin ich wieder zurück in meine Heimat gezogen, da mir meine Familie, meine Freunde und das Berliner Chaos sehr fehlten. Da stand ich nun wieder wie vor 2,5 Jahren und bin wieder ab zum Arbeitsamt. Wieder wurde ich wie der letzte Arsch behandelt. Sorry, aber ich habe beim Arbeitsamt nur schlechte Erfahrungen gesammelt. Wenn Du gute Erfahrungen gemacht hast, dann freut mich das wirklich sehr!

 

Zurück nach Berlin: Jetzt endlich den Weg in die Selbstständigkeit?

Nun spielte ich schon wieder mit dem Gedanken der Selbstständigkeit. Langsam wäre es echt Zeit geworden. Aber ich hatte ja wieder nix im Ärmel und die Angst besiegte mich ein weiteres Mal.

Also suchte ich erstmal nach Jobs im Designbereich. Ich hatte sehr viele Bewerbungsgespräche und zu meinem Erstaunen fragten mich einige, warum ich mich mit meinen Fähigkeiten nicht selbstständig machte.

 

Nach etwa 3 – 4 Monaten der Arbeitssuche konnte ich endlich mal in den Genuss kommen, mir meinen Arbeitgeber auszusuchen, denn es trudelte eine Zusage nach der anderen ein. Das war wirklich ein tolles Gefühl!

selbststaendigkeit - kreatives leben design

Ich entschied mich für meine letzte Werbeagentur, bei der ich mit einem Praktikum anfing und dort fast 1,5 Jahre gearbeitet habe.

Zudem solltest Du wissen, dass ich in dieser Agentur bis zum letzten Atemzug wirklich glücklich war. Ich habe mich bis ganz nach oben hochgearbeitet und durfte teilweise die Firma lotsen, Projekte leiten, Kunden beraten und verschiedenste Sachen designen. Wir hatten jede Menge Visionen und Wünsche! Wir, ich und meine damaligen Chefs, haben auch so viel in der Freizeit gemeinsam gemacht, sodass daraus eine gute Freundschaft entstand. Diese Zeit war echt toll.

Zumindest bis zu dem Tag, an dem ich krank geworden bin.

Leider haben sich dann der Schatten des Startups mehr gezeigt als die Sonnenseiten. Mein Arzt teilte mir mit, dass ich durch zu viele Überstunden und den teilweise echt dummen Kommentaren psychisch erschöpft wäre.

Ich war nun ca. 6 – 7 Monate krankgeschrieben. Die ersten 1 – 3 Monate waren für mich die Hölle. Ich wurde richtig depressiv – und das als Workaholic. Ich liebe es zu arbeiten, ich könnte es den ganzen Tag machen. Wenn ich irgendetwas designe, entspannt mich das richtig.

 

Ich designe nie wieder! Mir reicht’s!

Da stand ich nun zum dritten Mal vor der gleichen Situation.

Nur konnte ich mich dann selbst aus der Trauer- und Depri-Phase rausholen, obwohl sie echt lange angedauert hat.

Ich sagte zu mir selbst: „Jetzt reicht es mir aber gewaltig! Keen Arbeitgeber schreibt mir jemals wieder irgendetwas vor oder geht so mit mir als Mitarbeiterin um! Jetzt werde ich selber tätig!!!“ Halleluja…. das waren wirklich Höhen und Tiefen, um zu dieser Erleuchtung zu kommen.

In den ersten Monaten meiner Arbeitsunfähigkeit habe ich sehr viel mit diesem einen Gedanken gespielt: „Mhhh… machste dich jetzt endlich selbstständig?“ Das lief dann wochenweise ungefähr so, dass an einem Tag die Antwort lautete: „Ja, du machst dich jetzt Selbstständig!“ und am nächsten Tag: „Nein, auf keinen Fall, wie sollst du das denn alles meistern? Davon leben? Das funktioniert doch niemals und das auch ohne Eigenkapital??? Never.“

Also habe ich versucht mir meine eigene Medizin zu suchen, denn ich hatte dauerhafte Kopfschmerzen, Albträume, Heulattacken, wurde paranoid und hatte nur noch Angst.

Meine Medizin war, monatelang Videos von meinen persönlichen Mentoren und Vorbildern anzusehen. Wirklich krass. Es ging den ganzen Tag rauf und runter mit den Videos, Livestreams und Blogbeiträgen. Ich habe mir extra Bücher gekauft, um mich selbst zu motivieren. Habe endlose Gespräche mit meinen engsten und vertrautesten Leuten geführt.

Ich war stets und ständig verzweifelt, wie es nun weitergehen soll. Wahnsinn. Für mich war es sehr schwer, damit umzugehen. Stell’ Dir mal vor, dass Du immer gesundes Selbstbewusstsein hattest und auf einmal erschlägt Dich eine Enttäuschung so, dass Du zu einem Wrack wirst.

Das Schlimme daran war auch noch, dass ich in den ersten Monaten sogar mit dem Gedanken gespielt hatte, nie wieder in der Designbranche tätig zu sein. Nicht als Selbstständige oder als Angestellte! Aber dann habe ich mein ganzes Leben immer und immer wieder revue passieren lassen und eines festgestellt:

Egal welche Ziele oder Träume ich hatte, ich habe sie alle geschafft! Wirklich alle! Ja, auch mit viel Risiko verbunden, aber hey, ich habe es geschafft, weil ich daran geglaubt und Gas gegeben habe.

selbststaendigkeit - probleme sind immer chancen

 

No risk no fun

Ich möchte nie wieder für jemanden arbeiten, um festzustellen, dass man als Sklave behandelt wird! Ewig lange Überstunden macht, ohne eine angemessene Vergütung zu bekommen, angeschrien wird, weil man mitdenkt, die Arbeiten von und für die Chefs macht und dabei stets und ständig für Kleinigkeiten angepöbelt wird und immer hofft, dass das liebe Geld pünktlich auf dem Konto ist, weil man nicht weiß, ob der Chef das Geld endlich überwiesen hat.

Ich möchte endlich meine eigene Frau sein! Machen was ich möchte! Neue Arbeitsplätze schaffen! Ein ganz neues und tolles Netzwerk aufbauen und endlich wissen, dass die Arbeit, die ich da rein stecke, für mich, meine Zukunft, meine Ziele und meine Träume ist.

Wie du merkst, lagen auf meinem Weg tausende Steine, bis ich endlich die Entscheidung getroffen habe, meinen Weg in die Selbstständigkeit zu gehen.

Wenn Du auch in solch einer gleichen oder ähnlichen Situation bist: Bitte gib Dich nicht auf! Du wirst es schaffen! Du musst es nur machen! Egal wie, es gibt immer und für alles eine Lösung!

 

Wie war Dein Weg in die Selbstständigkeit? Ich freue mich auf Deine Erfahrungen.

Deine Kimi

 


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